Bayerisches Landesjugendorchester
Längst hat sich das Bayerische Landesjugendorchester aus dem Dunstkreis landläufiger Nachwuchsorganisationen herausgehoben und zum singulären Förderer musikalischer Spitzenbegabungen gemausert.
Ist es dennoch ein Wagnis, Vermessenheit oder gar ahnungslose Arroganz, Mahlers fünfte oder Schostakowitschs zehnte Sinfonie, Strawinskys „Sacre du Printemps“, Bartoks „Konzert für Orchester“ oder „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss - allesamt Gipfelwerke der Orchesterliteratur - einem Jugendorchester auf die Pulte zu legen?
Das Bayerische Landesjugendorchester (BLJO) hat alle Zweifler eines Besseren belehrt und diese Werke in den letzten Jahren nicht nur achtbar, sondern mit geradezu sensationellem Erfolg in deutschen Konzertsälen präsentiert.
Worin liegt das Geheimnis dieses einmaligen Klangkörpers, das die Presse gerne und immer wieder mit professionellen Orchestern in einem Atemzug nennt?
In seiner nunmehr 35-jährigen Geschichte hat das BLJO das Fürchten gelernt, ist durch allen Höhen und Tiefen der Orchesterliteratur gegangen und weiß, worauf es sich einlässt, wenn es sich an die Giganten des Repertoires heranwagt. Vielleicht liegt es an der jugendlichen Unbekümmertheit, immer hoch hinaus zu wollen, vielleicht liegt es auch am Reiz, Grenzen zu erforschen. Ganz sicher aber unterliegt keiner der jugendlichen Musiker dem Irrtum, Schweres auf die leichte Schulter zu nehmen.
Sie alle wissen was es bedeutet, ein Instrument bis zur Orchesterreife zu erlernen, sie alle haben sich der Disziplin und dem Leistungsanspruch unterworfen, höchsten Anforderungen zu genügen. Sie haben in jungen Jahren Erfahrungen gemacht und Ansprüche an sich und die Mitspieler gestellt, die sie fit machen für große und schwere Orchesterwerke, aber gleichermaßen auch für die rauen Winde im Berufsleben, ob in der Musik oder anderswo!
Nicht von ungefähr sitzen an führenden Positionen vieler deutscher und ausländischer Kulturorchester ehemalige Mitglieder des Bayerischen Landesjugendorchesters.
An Intensität des Lernens und der Leistungsanforderungen bleibt den jungen Musikern, die alle noch eine allgemeinbildende Schule besuchen, nichts erspart. Sie werden in den Arbeitsphasen hart gefordert, ohne einem Drill zu unterliegen. Der Stolz und die Freude über gelungene Konzerte wiegen dafür dann den Verlust der Erholungsferien mehr als auf.
Aber es ist noch etwas anderes, was die Seele dieses Klangkörpers in Schwingungen versetzt: Es ist der menschliche Umgang miteinander und untereinander, und es ist vor allem die fürsorgliche Betreuung durch die Dozenten und die Orchesterleitung. Die erfahrenen Erwachsenen, sowohl die Dozenten wie auch der Organisator Andreas Burger sind einstmals selbst Mitglieder des Bayerischen Landesjugendorchesters gewesen, sie kennen sowohl die Ängste und Nöte wie auch die euphorischen Glücksgefühle der jugendlichen Musiker. Die „Alten“ wissen was es heißt, sich in den Ferien in Klausur zu begeben und sich einem musikalischen Leistungsanspruch abseits aller schulischen Anforderungen zu stellen. Sie lieben dieses Orchester und werden ihrerseits von den jungen Musikern geachtet und geliebt.
Eine solch eingeschworene Gemeinschaft im Dienste der Musik braucht adäquate Arbeitsbedingungen, Häuser und Räume, in denen man proben, schlafen, essen und auch feiern kann, in Kammermusikbesetzung sowie im großen Sinfonieorchester. Sie sollen zudem bezahlbar und verständnisvoll geführt sein. Das BLJO ist daher häufiger und gern gesehener Gast in der Musikakademie Schloss Weikersheim und der Internationalen Musikschulakademie Schloss Kapfenburg.
Glücklichere Voraussetzungen für künstlerisches Arbeiten sind kaum denkbar, und deshalb beherrscht nicht stolz geschwellte Virtuosenbrust das Klima des Orchesters, sondern Demut vor den großen Werken der abendländischen Musik. Dieser Geist ist in jedem der Konzerte des BLJO spürbar und wirkt auf Musiker wie Publikum gleichermaßen inspirierend und beglückend.
Junge Senkrechtstarter der internationalen Dirigentenszene bekommen durch Vermittlung des Bayer. Rundfunks daher immer wieder den Kontakt zum BLJO. Pietari Inkinen, Robin Tacciati, Andrés Orozco-Estrada, Joseph Wolfe oder Sebastian Tewinkel – das sind nur einige von ihnen, die das Konzertleben von morgen prägen werden.
Aber auch so manchem Nachwuchssolisten hat das BLJO den Weg auf das große Konzertpodium geebnet. Zu ihnen gehören die Geigerinnen Arabella Steinbacher, Carolin Widmann und Veronika Eberle, der Pianist Herbert Schuch, der Solotrompeter der Berliner Philharmoniker Gabor Tarkövi oder die Cellisten Sebastian Klinger und Johannes Moser. Im Januar 2010 war der diesjährige 1. Preisträger des ARD-Wettbewerbes Sebastian Manz als Solist mit dem BLJO unterwegs.
Engagement und Qualität sprechen sich herum, und so hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten die Patenschaft für das BLJO übernommen. Gemeinsame Konzerte mit Jugendlichen und Profis werden von Mariss Jansons zur Chefsache erklärt. Eine beispiellose Chance für die Jugend und zugleich eine Fördermaßnahme, die nachhaltige Erfolge zeigt und der freundschaftlichen Beziehung zwischen den helfenden Profis und der nachwachsenden Generation alle Türen öffnet.
Talente brauchen Förderer, Leistung wird honoriert: Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanziert den Landesausschusses Bayern „Jugend musiziert“ e.V. als Träger des BLJO, der Sparkassenverband Bayern setzt als Sponsor für herausragende Begabungen noch eins drauf. Eine Kombination, die harmonisch ineinander greift.
Alles Wissenswerte über das Bayerische Landesjugendorchester gibt’s im Internet unter www.bljo.de.
Zur Unterstützung der Arbeit des Bayerischen Landesjugendorchesters (BLJO) hat der Landesausschuss Bayern „Jugend musiziert" e.V. einen künstlerischen Beirat berufen. Ziel des Künstlerischen Beirats ist die Mitwirkung und Gestaltung bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Orchesters. Er soll den Landesausschuss in allen Fragen des Orchesters beraten und Empfehlungen zur Fortschreibung der Orchesterarbeit aussprechen.
Die Mitglieder des künstlerischen Beirats sind:
Rüdiger Schwarz
... ist Vorsitzender des Beirats kraft seines Amtes als 1. Vorsitzender des Landesausschusses Bayern „Jugend musiziert" e.V.
Prof. Werner Andreas Albert
... ist ehemaliger Chefdirigent und Ehrendirigent des BLJO
Andreas Burger
... ist Geschäftsführer des Landesausschusses und in dieser Funktion gleichzeitig zuständig für die Organisation des BLJO
Claus Christianus
... ist Mitglied im Landesausschuss sowie 1. Vorsitzender des Regionalausschusses München.
Hans-Josef Crump
... war Musikschulleiter in Grassau sowie langjähriger Dozent im BLJO
Wolfram Graul
... ist Leiter der Abteilung Musikproduktion im Bayerischen Rundfunk
Prof. Harald Harrer
... ist 2. Vorsitzender des Landesausschusses Bayernjugend musiziert" e.V., Professor für Klarinette am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg sowie Dozent im BLJO
Ulrich Köbl
... ist ehemaliger Hornist der Münchner Philharmoniker, des Münchner Rundfunkorchesters, Hornpädagoge der Musikschule Kempten sowie Dozent im BLJO
Prof. Karsten Nagel
... ist Professor für Fagott am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg, Mitglied im Landesausschuss sowie Dozent im BLJO.
Daniel Nodel
... ist 1. Geiger im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie Dozent im BLJO
Hanno Simons
... ist Cellist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie Dozent im BLJO
Barbara Wittenberg
... ist 2. Geigerin der Bamberger Symphoniker sowie Dozentin im BLJO
Orchestervorstand des BLJO
Der Orchestervorstand entsendet jeweils zwei Mitglieder in den künstlerischen Beirat. Der Orchestervorstand hat zusammen eine Stimme.
 |